Spielcasinos um die Zeit der Weltkriege

Das Glücksspiel an sich ist wohl über 5.000 Jahre alt, fand aber bis vor etwa 400 Jahren vorwiegend im Freien und an geheimen Plätzen statt. Das eigentliche Casino hat seine Ursprünge in Venedig, wo es anfangs nur ein kleines Nebengebäude an einem Dogenpalast war, das ehemals als Umkleideraum gebaut worden war. Das Wort Casino kommt aus dem italienischen und bedeutet “kleines Haus”. Das erste moderne und legitimierte Spielcasino, das “Ridotto”, öffnete in Venedig im Jahr 1638 seine Pforten, und bis Mitte desselben Jahrhunderts gab es schon über 100 dieser Spielhäuser, die meist von Privatleuten betrieben wurden. Das Casino im Palazzo Vendramin-Calergi am Canale Grande ist das einzige, das aus dieser Zeit noch überlebt hat. Schon damals herrschte in den Casinos ein strenger Dresscode und man musste dazu in der Lage sein, hohe Einsätze zu finanzieren. Also war das Spielcasino schon immer der feinen gesellschaftlichen Oberschicht vorbehalten.

Die ersten Spielbanken in DeutschlandImage result for Die ersten Spielbanken in Deutschland

In Deutschland gibt es Casinos seit dem 18. Jahrhundert. Sie entstanden vorwiegend in den bekannten Badeorten wie Baden-Baden, Bad Homburg, Bad Wildungen, Wiesbaden und Bad Ems. Im Deutschen Reich war das Glücksspiel ab 1871 verboten und alle deutschen Casinos mussten schließen. Die deutschen Spielhäuser durften erst unter den Nationalsozialisten im Jahr 1933 wieder eröffnen. Aufgrund ihrer langen Geschichte befinden sich viele deutsche Spielbanken auch heute noch in grandiosen, gediegenen und architektonisch bedeutenden Gebäuden.

Das Glücksspielverbot und das Casino in Zoppot

Versuche während der Zeit der Weimarer Republik, die Spielbanken wieder zu eröffnen, blieben erfolglos. Die einzige Ausnahme war in Dresden, das als Freistaat unter dem Schutz des Völkerbundes stand. Dort wurde das Casino in Zoppot im Jahr 1919 eröffnet, das sich mit seinem hervorragenden Veranstaltungsprogramm einen vorzüglichen Ruf errang und Spielfreudige aus der adeligen Gesellschaft ganz Europas anlockte, vorwiegend aus Deutschland, Skandinavien und England.

Die Spielbank von Baden-Baden

Obwohl das Glücksspielverbot von den Nationalsozialisten mit dem Reichsgesetz vom 14. Juli 1933 aufgehoben wurde, war das Casino von Baden-Baden das einzige, das in diesem Jahr eine Konzession zum Spielbetrieb erhielt. Aufgrund der politischen Verhältnisse war es der ehemals grandiosen Spielbank jedoch nicht möglich, seine frühere glanzvolle Bedeutung wiederzuerlangen. So wurde die Spielbank im August 1944 geschlossen und eröffnete erst wieder im April 1950.

Spielbanken in der Nachkriegszeit

Die erste Spielbank nach dem Krieg wurde 1948 in Bad Neuenahr wiedereröffnet. Sie befindet sich auch heute noch in dem im Jahr 1903 erbauten und im Jugendstil errichteten Kurhaus. Zur Eröffnung am 15. Dezember 1948 rollte im Roulettekreisel eine vergoldete Elfenbeinkugel als Symbol der Aufbruchsstimmung.

Im Jahr nach der Gründung des Casinos in Neuenahr wurde Bonn zur Bundeshauptstadt. Da aber Bonn nicht für aufwendige Veranstaltungen gerüstet war, fanden ab 1951 die ersten Bundespressebälle im Kurhaus statt. Acht Jahre lang wurden die Roulette-Tische regelmäßig zur Seite geschoben, wenn sich die Polit-Prominenz die Ehre gab.

Nicht lange nach der grandiosen Eröffnung des ersten Nachkriegs-Casinos in Bad Neuenahr eröffnete Max Schmeling am 9. September 1949 die Spielbank in Bad Dürkheim. Das Casino ist seit seiner Gründung im wunderschönen und traditionsreichen Kurhaus Bad Dürkheim untergebracht.

Viele neue Casinos sind seither diesen beiden ersten deutschen Nachkriegs-Casinos gefolgt und halten bis heute die lange Tradition aufrecht.