Lebensmittelknappheit im Ersten Weltkrieg – Osnabrück

Kurz nach Ausbruchs des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 rasten auch in Osnabrück die Preise für Lebensmittel rasant in die Höhe. Doch anfangs lag dies noch nicht an einem Mangel von verfügbaren Grundnahrungsmitteln, sondern am irrationalen Einkaufsverhalten der Menschen.

Weil sie eben genau diese Lebensmittelknappheit fürchteten, wurden die Vorratskammern und Keller mit allem gefüllt, was zumindest irgendwie haltbar war. Dies war der Grund, warum bereits im Herbst 1914 vom Bundesrat eine Verordnung erlassen wurde, die die Einführung von einheitlichen Höchstpreisen regelte. Ob diese auch eingehalten wurden, wurde in Osnabrück ab Oktober 1915 von der Preisprüfstelle der Stadt kontrolliert. Obwohl es dem Willen des Kleinhandels widerImage result for Lebensmittelknappheit im Ersten Weltkrieg - Osnabrücksprach, wurde von der Preisprüfstelle auch eine Preisaufzeichnungspflicht durchgesetzt.

Es dauerte nicht lange, bis sich die Versorgungssituation in der Stadt tatsächlich verschärfte. Auslöser war, dass die Importe von Nahrungsmitteln drastisch zurückgingen und die heimische Landwirtschaft nicht imstande war, Lebensmittel in ausreichender Zahl zu produzieren. Das lag vor allem daran, dass durch die Einberufungen zum Heer die dringend benötigten Arbeitskräfte auf den Bauernhöfen fehlten, zusätzlich wurden vom Militär auch die Pferde remontiert, die so in der Landwirtschaft ebenfalls eine Lücke hinterließen. Auch Futter für das Vieh und Düngemittel wurden knapp.

Daraufhin erließen Militär, Regierung und Behörden eine Flut an Verordnungen, mit denen der Mangel verwaltet werden sollte. Diese regelten beispielsweise, wie die Äcker genutzt werden durften, wie und welches Vieh gehalten werden musste und wie Abfallstoffe zu verwerten waren. Außerdem wurden an bestimmten Tagen Verkaufsverbote für Fleisch verhängt.

Damit die knappen Lebensmittel gerecht verteilt werdn konnten, wurden diese rationiert. Den Anfang machten Lebensmittelkarten für Brot im März 1915, später folgten Berechtigungskarten für alle wichtigen Grundnahrungsmittel sowie für Textilien.

Um die Bürger zur Sparsamkeit aufzurufen, betrieb der Staat eine intensive Propaganda. Die Hauptaussage dieser Verlautbarungen war folgende: “Wer Lebensmittel verschwendet, vergeht sich am Vaterland!”. Dieser Leitspruch führte sogar daszu, dass für die deutsche Hausfrau im Jahr 1915 ein Merkblatt herausgegeben wurde, das zu sparsamen Haushaltsführung aufforderte mit dem Appell: “Deutsche Hausfrauen tut Eure Pflicht, es liegt in Eurer Hand, den Krieg zu gewinnen!”

Dem Hungerwinter 1916/17 konnte man mit Sparsamkeit alleine aber auch nicht mehr trotzen. Aufgrund der schlechten Kartoffelernte im September rückte bald die Steckrübe als das allgegenwärtige Sättigungsmittel auf den Speiseplan. Wurde die Steckrübe früher lediglich als Viehfutter angebaut, nahm sie plötzlich einen großen Platz in der deutschen Küche ein, ob als Streckmittel für Kaffee, zum Brotbacken, im Eintopf oder sogar als Marmelade eingekocht.

In den Kriegsjahren ging es den Menschen auf dem Land deutlich besser als der Stadtbevölkerung. Während man sich auf dem Land größtenteils selbst versorgen konnte, blieb für die Städter lediglich der teure Schwarzmarkt. So konnten sich in der Stadt Osnabrück lediglich 616 Menschen selbst versorgen, während 75.000 Bürger auf die Lebensmittelrationen und auf den Schwarzmarkt angewiesen waren. Im gesamten Landkreis hingegen waren mehr als die Hälfte der Personen Selbstversorger. Dies ist auch der Grund, warum es auf dem Land weniger Mangelerscheinungen gab.

Etwas leichter hatten es jene Städter, die auf dem Land Verwandtschaft oder enge Freunde hatten, die ihnen von den selbst knappen Lebensmitteln noch etwas abgeben konnten.