Osnabrück: Schauplätze und Akteure des Ersten Weltkrieges

Während des Ersten Weltkriegs spielteOsnabrück, wie viele andere Städte in Deutschland, eine wichtige Rolle. Die Stadt ist weniger bekannt für konkrete Kriegsszenen sondern vielmehr für alles, was sich im Hintergrund des Krieges abspielte. In der niedersächsischen Stadt hielten die Frauen die Stellung und spielten eine wichtige Rolle bei der Versorgung von Verletzten. Darüber hinaus meldeten sich viele Zivilisten, darunter zahlreiche Schüler, freiwillig zum Krieg und setzten ihr Leben aufs Spiel. Kaum eine Stadt verzeichnete so viele freiwillige Opfer wie Osnabrück.

Der Osnabrücker Bahnhof als wichtige Drehscheibe des KriegesImage result for Osnabrück

Besonders der Bahnhof der Stadt wurde zur Drehscheibe des Krieges. Soldaten, die ausrückten, verließen von hier ihre Familien und Angehörigen. So spielten sich viele Abschiedsszenen am Osnabrücker Bahnhof ab. Vor allem zu Beginn des Krieges 1914 versammelten sich große Menschenmassen am Bahnhof. Musikkapellen, patriotische Lieder und Jubelschreie der Einwohner waren zu hören. Waggons mit nationalistischen und patriotischen Sprüchen prägten das Bild. Tränen gab es am Anfang wenige, als die Soldaten aus Osnabrück in die Waggons stiegen. Dafür waren sich die Soldaten und Einwohner zu siegessicher. In den Jahren des Krieges blieb Osnabrück eine wichtige Drehscheibe zwischen den Kriegsfronten im Osten und Westen. Viele Züge passierten die Stadt und transportierten Nahrungsmittel, Kriegsmaterial und Menschen. Auch Züge mit Verletzten passierten die Stadt. Das Osnabrücker Lazarett versorgte sie, oftmals heimlich, versteckt vor den Blicken der Einwohner.

Osnabrücker Frauen versorgten Verwundete und Flüchtlinge

Der Krieg zeigte sich nicht nur an der Front, sondern auch in der Heimat. In Zügen wurden die Schwerverwundeten nach Osnabrück in Lazarette gebracht. Rot-Kreuz-Schwestern kümmerten sich um die Verletzten. Sie pflegten die Soldaten, legten Verbände an und hielten somit die Stellung an der „Heimatfront“. Die Helferinnen waren zum Großteil Freiwillige des Vaterländischen Frauenvereins oder vom Roten Kreuz. Sie kümmerten sich um Truppen und Flüchtlinge. In der Nähe des Hauptbahnhofs entstand die Versorgungsstelle, die während des gesamten Krieges 17.000 Kriegsverletzte, 59.000 Soldaten und 6.000 Flüchtlinge aus Ostpreußen versorgte. Nicht alle erhielten die Anerkennung, die sie verdienten. Sara Frank beispielsweise war im Vorstand des Osnabrücker Frauenvereins und starb 1942 in einem Deportationslager, weil sie Jüdin war.

Viele Freiwillige Zivilisten und Schüler aus Osnabrück setzten ihr Leben auf das Spiel

Die Abiturienten des Ratsgymnasiums Osnabrück meldeten sich gleich zu Anfang freiwillig zum Kriegsdienst. Ihre Motivation und Zuversicht machte sich in den Aufsätzen im Fach Deutsch bemerkbar. Als Deutschland den Russen den Krieg erklärte, schrieben sie Aufsätze zum Thema „Einigkeit macht stark“. Die Aufsätze waren voller Parolen, die den patriotischen Überschwang und die nationalistische Erziehung im Kaiserreich widerspiegelten. Nicht nur die Abiturienten, sondern auch die Schüler vieler anderer Schulen in Osnabrück meldeten sich aus diesem Grund zum Kriegsdienst. Die Vereidigung der ersten Kriegsfreiwilligen fand auf dem Osnabrücker Schlosshof statt. Nach überschwänglichen Reden folgte der Eid auf den deutschen Kaiser und preußischen König Wilhelm II. Nach einer kurzen Ausbildungszeit ging es an die Front. Das Schloss in Osnabrück diente zu dieser Zeit als Hauptquartier des Militärs und des Garnisonskommandos. Hier fanden Musterungen und öffentliche Vereidigungen statt. Obwohl die lokalen Zeitungen die Freiwilligen als mutige Helden feierten, hielten die Freude und der Überschwang für den Krieg nicht lange an. Viele der Freiwilligen aus Osnabrück starben im ersten Jahr des Krieges an der Front.